Vernissage im Raben, Kulturzentrum Abraxas
Udo Gauss’ digitale Malwelten suchen im Kulturhaus
„abraxas“,
Vernissage: Do., 11. Februar, 19.00 Uhr, die Ausstellungsöffentlichkeit.
Sie sind eingeladen!
Dem „Udigismus“ sei freier Weltenlauf!
Als er mich vor wenigen Tagen anrief, nahm mich Udo Gauss nach wenigen vorstellenden Worten nahezu übergangslos als beharrlicher, suggestiver, unbeirrbar und zwingend von seinem Tun überzeugter Mensch von sich ein. Um Missverständnissen vorzubeugen: Alles geschah ohne Beschlagnahme oder gar Überrumpelung. Im Sprechen agierte er vielmehr offen, schonungslos ehrlich, mit der Freundlichkeit und dem Charme dessen, der unaufdringlich weiß, dass er ein Könner ist. Dies ins Besessene ausufernd, wenn seine digitale Malerei zur Debatte steht. Schnell wurde deutlich: Er liebt seine Arbeit leidenschaftlich, kann auf immense handwerkliche Fähigkeiten bauen und vertrauen, ist ein Überzeugungskünstler par excellence. Apropos Handwerk: Das Wohnzimmer-Ambiente spottet facettensicher bürgerlichem Gemütlichkeitsverständnis, geben sich dort doch großformatiger High-End-Kunstdrucker, Lichttisch und kaum überblickbares Computer-Equipment mit Couchgarnitur und TV-Ecke ein bizarr-behagliches Stelldichein.
Nach den Mühen langer Designerjahre schwingt bei Gauss in allen Gesprächsphasen die Begeisterung mit, den inneren Impulsen zum Kunstschaffen konsequent gefolgt zu sein. Stets ist spürbar, wie stark er damit gerungen hat, dem Brotberuf im herkömmlichen Sinne reiner Auftragserfüllung rückhaltlos ade zu sagen. Am Ende des gut halbstündigen Kontakttelefonats hatte er mich für seine Anliegen gewonnen. Der Einladung, in seiner Wohnung die Originale auf mich wirken zu lassen, musste ich einfach folgen.
Noch vor dem Besuch fesselte mich eine Arbeit auf der Homepage-Galerie mit stiller Größe: „Unschuld“. Formal betont einfach gestaltet. Mit mitreißendem musikalischen Schwung. Titelstimmig und authentisch bis ins letzte Strichdetail.
Meine Begeisterung verstärkte sich beim Betrachten der Bilder in der Wohnung. Wegen des geringen Platzangebots eng gedrängt an den Zimmerwänden hängend, entfalteten die auf Leinwand gezogenen Großformate, allen Ausdehnungsbeschränkungen trotzend, selbstbewusst ihre Reize. „Theater“, in einen blutroten Vorhang gehüllt, ganze Generationen von Schauspielern in seinem Faltenwurf bergend. Worin Erotik gipfelt, zeigt mit zärtlichen Strichen und jenseits voyeuristischer Effekte „Leidenschaft“, ein Bild, das „Unschuld“ als zweites Lebensphasenbild eines Triptychons fortführt. Und hier erobert sich, das Trio vervollständigend, ein widderartiges Fabeltier mit mächtigem Gehörn und imponierender Schulter-/Brustkorbpartie, als irrlichterndes „Gewissen“ seinen zwangsläufigen Platz.
Augsburg, 12. Januar 2010
Roman Kern, TextBüro SchreibGeist (http://www.roman-schreibgeist.de)
